followingfibres

an ethnographic writing experiment between Germany and Kyrgyzstan

selbstgemachter in den bergen

Nach unten drücken, durchrollen, anheben. Nach unten drücken, durchrollen anheben. Nach unten drücken, durchrollen, anheben. Nach unten drücken, durchrollen, anheben. Nach unten drücken, durchrollen, anheben. … + Rhythmische Monotonie. Der … Weiterlesen

19. März 2017 · Hinterlasse einen Kommentar

im dickicht aus zeichen

Schauplatz: ein touristisches Jurtenlager am Strand, nahe des Dorfes Tosor ein wenig später an dem Tag, als ich (das Mädchen, das Fragen stellt) und du (der Junge oben auf der … Weiterlesen

17. März 2017 · Hinterlasse einen Kommentar

forest of symbols

setting: a tourist yurt camp by the beach, village of Tosor a little later during the day of the tündük dialogue, when me (the girl asking questions) talked to you … Weiterlesen

13. März 2017 · Hinterlasse einen Kommentar

seamstresses

“Where are all the others? Who is at home with you?“ Off with you, my lightweight summer shoes: As I enter the front door I slip them off and diligently … Weiterlesen

3. März 2017 · Hinterlasse einen Kommentar

heimnäherin

33333;“>Die Goldringfinger winken mich zu sich, zur Bettkante, und strecken mir ein Stück ausfransenden Deckenrand entgegen. Wo die verschiedenen Stoffe der Vorder- und Rückseite zusammentreffen beginnt ein Spalt zu klaffen und die Wolle zwischen den Schichten preiszugeben.

„Siehst Du das? Sie gehen auf. Viele von den Decken hier. Ich werde sie ausbessern, jetzt wo ich schon in der Stadt bin. Das ist doch so ein schöner Stoff, und jeder braucht Decken. Ich werde sie nähen! Djazgül hatte bisher wohl einfach keine Zeit – die kleinen Kinder… Aber man braucht doch gute Decken.“

Wieder nicke ich, die Augen noch verloren in den grellen, abstrakten Formen der nach oben liegenden Stoffseite. Königsblau und neongrün, ein wenig orange.

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Zuerst aber trinken wir Tee. Von meinem Platz auf der riesigen Couch kann ich in die Nische zwischen Fenster und Wohnzimmerschrank sehen: Eine große Holztruhe und darüber die sich türmenden, weichen und ordentlichen Falten der gefütterten Decken. Jeder braucht Decken, jede Frau braucht ihre Decken. In Türmen, in Stapeln, in vielen Farben.

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Ich weiß nicht, wie viele Deckenstapel ich in Kirgisistan gesehen habe. Viele. Viele gerade Stapel: Auf Truhen, auf Kommoden, an Wänden, an Planen. In Zelten, in Stadtwohnungen, in Häusern im Dorf, in Restaurants, auf Basaren, in Jurten. Aufgetürmt warten sie darauf, zu polsternden Unterlagen und wärmenden Zudecken zu werden. In den Häusern und Wohnungen braucht man sie für Gäste und besuchende Verwandte. Auf der Alm – in Zelten und Jurten – braucht man sie Nacht für Nacht aufs Neue, wenn der Aufenthaltsraum der Tageszeit mit der in den Bergen aufgezogenen Dunkelheit vom Essens- zum Schlafplatz wird. Nur um am nächsten Morgen wieder zu geordneten, bunten Schichten zu werden, auf dem isolierenden Holzboden oder dem Deckel einer schweren, großen Lagertruhe. Wer keine Decken hat, kann keine Betten machen, kann keine Gäste beherbergen, kann keine gute Gastgeberin sein, kann kein Heim führen, kann kein Heim entfalten. Selbst wer Bettgestelle, Couches und Matratzen besitzt, benötigt noch die Deckenstöße. Zumindest farbenfroh leuchtend in einer Wohnzimmernische.

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Im Familienhaus in Tamga, in Nargizas Zimmer im Dorf, reicht das gefaltete Deckengebirge fast bis unter die Zimmerdecke. Hier schläft sie, in einem schmalen Bett aus Pressspanplatten, hierhin zieht sie sich zurück zum Beten, hier lagert ihr Stoff und hier findet man ihr Nähzeug. Geräumig ist es nicht – eher eine Kammer, beinahe – weshalb die Ballen von naturweißer Wolle zwei Türen weiter aufbewahrt werden, zusammen mit den Gästedecken.

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Hier in der Kammer sind nur die neuen, unbenutzten Decken; die Decken, die sie selbst näht – näht für jede ihrer Enkelinnen, auf dass sie gute Gastgeberinnen werden können. Auf dass sie ein Heim werden führen können. Auf dass sie Kelin (Braut/Schwiegertochter; lit.: die Kommende) werden können: Die Stoff- und Wollschichten sind Schichten ihrer Aussteuern. Noch eingefaltete, angesammelte Zukunft. „Diese hier sind für Nura, und diese für Meerim, diese für Aigerim und die dort drüben sind für die kleine Rigina und unsere kleine Alina. Bei den beiden wird es noch dauern, aber Nura sollte bald heiraten. Es sind viele Decken, nicht wahr? So muss es sein. Ushundaj. Viele Töchter, viele Decken“, so haben mir die Goldringfinger den Raum erklärt.

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So muss es sein. Tee für Gäste, Geschenke für Gastgeber, volle Tische für alle und immer genug Decken. Am besten sogar immer ein paar zu viel. Die Ordnung der Dinge will gepflegt sein: Gestapelt, gefaltet, repariert wenn ausfransend. Weiter gegeben von Generation zu Generation, egal ob die Decken weiterhin täglich geschüttelt, oder dekorativ im Stauraum untergebracht werden. Egal ob sie eingefaltet warten – als Potential und schlafendes Wissen allein –, oder ob sie ausgebreitet immer neue Beziehungen und Häuslichkeit weiter auffalten. Die Form, die Ästhetik, die Idee der Decken und ihrer Stapel lässt sich weitertragen, auch wenn die Welt sich um sie wandelt, wie sie es immer tut. Mal schneller mal langsamer, mancherorts schneller mancherorts langsamer. Die Decken bleiben Möglichkeit der Gastfreundschaft und Bild für weitergegebenes, handwerkliches Geschick. Für jetzt bleiben sie Mitgift und Teil neuer, durch Hochzeiten geknüpfter Familienbande. Ushundaj bestätigen die alten, oft nostalgischen, Goldringfinger und nähen und füttern und reparieren sorgsam und pflichtbewusst weiter and den Türmen und Falten, die ein Heim machen können.

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Später sitzen wir wieder auf der Bettkante, Nargiza, Nura und ich. Ein ruhiger, langsam von einer zur nächsten alltäglichen Aufgabe fließender Spätnachmittag, wie ich sie hier so oft erlebe. Wahrscheinlich werden wir bald anfangen, etwas für den Abend und die heimkehrenden Anderen zu kochen. Solange ist Zeit für gemütliches Beisammensitzen und Werkeln. Meist ist viel Zeit für Langsamkeit. Für Nargiza muss immer Zeit für ordentliche Sorgfalt sein. Mit Nadel und Faden fängt die alte, kleine Frau den Saum wieder ein.

„Nura kann gut nähen, weißt Du“, murmelt die Näherin beifällig zwischen den Stichen. Dann hält sie inne und blickt bestimmt auf ihre älteste Enkelin. „Es ist gut, wenn man nähen kann. Dann kann man auch heiraten.“

„Ach, Oma“, antwortet die junge Frau und verdreht ein bisschen die Augen, halb belustigst, halb gereizt. „Das sagst Du doch immer.“

28. Februar 2017 · Hinterlasse einen Kommentar

anziehungsbahnen

Wieder auf dieser Straße, immer entlang derselben Straße: Breit, sandfarben, holprig und trocken. Ein paar Läden und blühende, rosa Rosen umrahmen die Fahrbahn, die auch Gehweg ist. Die Pfosten der … Weiterlesen

8. Februar 2017 · Hinterlasse einen Kommentar

gravitational attraction

Again on this road. Ever this road, broad and sand-coloured and bumpy and dry. Some shops and some blooming pink roses enframe the sides of the walkway. The wooden pickets … Weiterlesen

6. Februar 2017 · Hinterlasse einen Kommentar